Session 4 – Angriff aus der Luft

Aus dem Nachthimmel stürzte ein Wyvern im Sturzflug auf das Lager der Karavane zu, das neben der Tempelruine aufgeschlagen worden war. Sir Toby rief eine Warnung aus, worauf alle Flüchtlinge in Panik auseinanderstoben und Deckung suchten. Alle – bis auf Zarissa, die hoch zu Kazimir auf die Ruine kletterte und dort ihr Schwert zog.

Der Wyvern hatte es auf die Pferde der Karawane abgesehen, wurde aber von Kazimir’s magischem Geschoss so ungünstig in den Flügel getroffen, dass es stattdessen mitten ins Lager abstürzte, wo es mit einem satten Aufprall das Lagerfeuer zerstob.

Es peitschte rasend mit seinem stachelbewehrtem Schwanz um sich, der Rhialla in die Brust traf und sie mit Gift injizierte. Stark verwundet schleppte sie sich in Sicherheit, von wo aus sie den Kampf aus Entfernung unterstützte.

Zarissa zögerte nicht lange und hechtete mit ihrem Schwert über dem Kopf erhoben direkt wieder von der Ruine herunter, das sie mit einem verheerenden Treffer tief in der Bestie versenkte.

Sir Toby tauchte auf der Vorderseite des Wyvern auf, wo er sogleich begann, den getroffenen Flügel weiter zu zerreißen. Das Maul des Wyvern schnellte daraufhin zu ihm herab und biss derart fest zu, dass etwas laut knackte und Sir Toby regungslos zusammenklappte.

Cazimir, seinerseits beim Absturz des Wyvern in die Ruine gestürzt, kam staubüberdeckt und am Kopf blutend zwischen den Steinen hervor, schoss aber grimmig und entschlossen weiter auf die wild um sich peitschende Bestie.

Der Wyvern versuchte, sich aus seiner unvorteilhaften Lage zu befreien, doch Zarissa rückte ihm dafür zu sehr auf die Pelle. Zusammen mit Sir Toby, den Rhialla wieder auf die Beine gebracht hatte, setzten sie von beiden Seiten dem panischen Wyvern zu, bis dieser einknickte und starb.

Sie untersuchten sie den Körper der Bestie, und unter der Leitung von Rhialla gelang es Sir Toby, einen giftigen Stachel des Wyvern zu entnehmen, aus dem sie ein seltenes, starkes und extrem teures Gift gewinnen konnte.

Nach dem gewaltigen Schock war die Erleichterung der Karawanne umso größer. Cazimir öffnete Fässer, Kinder turnten auf dem Leichnam der Bestie, und beschwingte Musik leitete die Feierlichkeiten des Abends ein. Dank und Jubel prasselten auf die Rücken der vier Kämpfer herunter, je mehr der Schreck sich verzog.

Dammon kam mit zwei Bierkrügen zu Sir Toby, der aber nichts trank und stattdessen aufpasste, dass niemand, insbesondere nicht die Kinder, die Ruine betreten würden, in der immer noch Leichen lagen. Er setzte sich neben die Puppe, trank einen Zug und offenbarte ihm Vertrauen, dass er die Runen auf den Ketten in Elturel als Infernalisch erkannt hatte. Zusammen mit den teuflischen Kreaturen und dem roten Himmel war es für ihn klar, dass der Angriff auf die Stadt aus den Höllen gekommen war, genauer aus Avernus. Und da die Stadt verschwunden war, vermutete er sie deswegen ebendort.

Über das wie und wieso konnte er jedoch nur mutmaßen. Sir Toby fragte, wieso er damit nicht zu den Hellriders gegangen war – dies war imemrhin ihre Expertise – was Dammon aber nicht wollte. Sir Toby bot sich an, die Information weiterzugeben, worauf der Tiefling einwilligte. Mit einem dankbaren Nicken verschwand Dammon wieder in der Nacht.

Als Sir Toby ebendiese Informationen an die richtige Stelle – namentlich Zarissa – weitergegeben hatte, musste diese sich eingestehen, dass sie über Avernus weniger wusste, als es ihre Jobbeschreibung vermuten gelassen hatte. Auch die nächsten vier Hellriders – darunter Rhialla – kratzten sich am Kopf, bis ein leicht enttäuschter Zevlor an das Lagerfeuer herantrat und Wissenslücken zu füllen begann.

Avernus war ein grausamer Ort, voller Feuer und Wut. Wenn Elturel wirklich nach dorthin verschwunden sein sollte, dann stünde den Hellriders eine Expedition bevor, wie es sie seit über hundert Jahren nicht mehr gegeben hatte. Die Hellriders nickten benommen, als ihnen die Tragweite ihrer Pflichten klar wurde. Cazimir war sichtlich begeistert über diese Aussicht, während Sir Toby zurückhaltender war. Rhialla’s Anmerkung, dass es in der Stadt Zivilisten und Kinder zu retten gab, gab ihm jedoch schwer zu denken. Er zog sich für die Nacht auf einen Pfeiler der Tempelruine zurück, wo er nachdachte.

In der Nacht sah er einen Schatten durch das Lager huschen. Neugierig verließ er seinen Posten und ging dem Schatten nach, der sich als Cazimir herausstellte. Dieser hatte kurz das Zelt von Dammon betreten, und gab schlaftrunken an, dass er diesem nur seinen ausgeliehenen Hammer zurückgegeben hatte. Sir Toby nickte, wünschte eine Gute Nacht, und setzte sich ein kleines Stück weiter wieder hin, gedankenverloren in die Nacht starrend.

Am nächsten Morgen suchte Zarissa das Gespräch mit ihrem Ohm. Da Zevlor bestätigt hatte, dass ihr Onkel in der hohen Halle von Elturel stationiert gewesen war, war sie überzeugt, dass dieser zusammen mit der Stadt in Avernus gelandet war. Sie schwor sich und ihrem Ohm, diesen zu finden – lebendig oder tot. Ob es ein heldenhafter oder närrischer Schwur war, würde die Zukunft zeigen.

Die nächsten zwei Tage waren Reisetage. Die Karawanne schleppte sich weiter in Richtung Baldur’s Gate, vorbei an einem alten Wegweiser zum Dorf Moonhaven. Dies war ein längst verlassenes Dorf, verfallen und zerstört, eine Zeit lang Lager von Banditen, dann der Natur.

In Waukeen’s Rest, ein in eine Felsausbuchtung gebautes Wirtshaus, machten sie endlich Rast. Der Kontrast zu der Zerstörung, vor der die Karawane geflüchtet war, war immens: Das Fachwerkaus präsentierte sich geräumig, ordentlich und gastfreundlich. Im Schankraum saß eine Gruppe von 6 Soldaten der Flaming Fist an drei zusammengeschobenen Tischen, die schwer gebeutelt aussahen und ihre Biere nur schluckweise trunken.

Die Halborkische Wirtin Tana war höflich und offen; Zarissa konnte bei ihr für eine faire, wenn auch stolze Summe Zimmer für alle 24 Mitglieder der Karawane erstehen. Doch mit einem Blick auf die Soldaten hielt sie plötzlich inne, übergab Kazimir die Schlüssel zur Weiterverteilung, und durchquerte den Schankraum hinüber zu den sitzenden Gestalten.

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