Dungeons and Dragons & Das Schwarze Auge in Ulm
 
[19.02.21] Session 20 – Yurk, der Einsiedler

[19.02.21] Session 20 – Yurk, der Einsiedler

°13. Mirtul°

Hinter den Helden lag der lange Eiswasserpass. Vor ihnen erstreckte sich ein breiter, zugefrorener Bergsee, aus dessen Eisplatten ein wenig klares Wasser hervorsprudelte und den Pass hinunterlief. Auf der linken Seite fielen die Berghänge steil und rasch ins Tal hinab, von dem allerdings wenig zu sehen war, da dichter Nebel zwischen den Bergen hing.

Durch den Schneefall konnten sie zwei potenzielle Wege ausmachen. Am rechten Ende gab es einen gefrorenen Wasserfall, der den Berg hinauf führte. Es gab gute Griffmöglichkeiten und mit einer passenden Kletterausrüstung sollte der Aufstieg machbar sein. Allerdings waren ihnen der Wind und die lockeren Eisplatten zu gefährlich, um den Aufstieg zu wagen. Also entschieden sie sich für einen verschneiten Pass, der von scharfen Klippen umarmt wurde. Dennoch stand galt es erst einmal den See zu überqueren, und so machten sie sich auf den Weg.

Die Platten knackten bedrohlich unter ihren Stiefeln, als Norixius plötzlich in das Eis einbrach. Uthal konnte ihn rechtzeitig am Arm packen, um ihn daran zu hindern in das eiskalte Wasser unterzutauchen. Er zog ihn mit aller Kraft heraus und Norixius war bis zur Hüfte nass und seine Kleidung aufgeweicht. Uthal taumelte ein wenig, als wäre ihm schwindlig. Später erzählte er, er hatte einen unangenehmen Tagtraum von seinen vergangenen Tagen. Sie redeten nicht mehr viel darüber, aber Rikuhu wusste Bescheid. Mit einem Zauber trocknete sie die Kleidung von Norixius, um eine Erkältung zu verhindern.

Nach dem See erreichte die Gruppe den windgeschützten Pfad. Iro und Balrun gingen voraus, als eine Lawine von den Klippen herunterbrach und die beiden im Schnee begrub. Alle halfen mit, die beiden aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Sie waren sich einig, hier erst einmal eine kurze Rast einzulegen, um ihr weiteres Vorgehen in diesen gefährlichen Berghängen zu besprechen.

Als sie weiter reisten, schlängelte sich der Pfad weiter durch die Klippen hindurch, bis sie an einem steilen Abhang ankamen. Der Wind brauste an ihnen vorbei und sie sahen einen Abgrund, dessen Tiefe sie nicht ausmachen konnten. Eine schmale Felskante führte die steile Bergwand entlang und sie sahen sich gezwungen, dort nacheinander entlangzugehen. Sie sicherten sich gegenseitig mit Seilen und schlugen ihre Kletterhacken in den Fels. Trotz all ihrer Vorsicht, stürzte Norixius beim Lösen einer Sicherung den Abgrund hinab. Die Kletterausrüstung verhinderte schlimmeres, und so baumelte einige Meter unter ihnen, wo er sich Schnittwunden zugezogen hatte. Uthal zog ihn mit Hilfe von Balrun und Iro wieder nach oben.

Nach weiteren zwei Stunden ließen sie den Bergkamm hinter sich und der Pfad führte sie in ein sicheres, verschneites Bergtal. Durch den Schneesturm erkannten sie eine Rauchsäule, welche von einer Blockhütte empor schlängelte. Die Hütte stand geschützt zwischen wenigen Kiefern an eine Felswand geschmiegt. Rikuhu ließ ihr Eichhörnchen Mahina vorausspähen und erfuhr, dass in der Hütte Licht brannte. Ein Halbork war durch die milchigen Fenstergläser zu erkennen.

Sie näherten sich gemeinsam der Blockhütte und klopften an der Tür. Der Halbork war sehr misstrauisch gegenüber Fremden, ließ sie aber aufgrund ihrer Lage im Schneesturm schlussendlich herein. Der alte, braunhäutige Halbork mit Glatze stellte sich als Yurk vor. Er hatte sich hier in Einsamkeit als Jäger niedergelassen, allerdings waren keine Jagdbögen oder ähnliches in der Hütte zu sehen, nur Felle und Trophäen. Da der Tag sich dem Ende neigte, lud er sie auf einen warmen, fleischlosen Eintopf ein. Beim Abendessen erzählten sie ihm, dass sie auf der Jagd nach dem weißen Drachen waren, Yurk kannte ihn ebenfalls. Er berichtete ihnen, dass der Drache ein Dorn in seinem Auge sei und er alle Nahrungsquellen in den Bergen ausrotte. Sein Hort, eine alte Zwergenfestung, lag nur eine halbe Tagesreise von hier entfernt. Rikuhu interessierte sich für die Geschichte von Yurk und so erzählte er ihr, dass er aus Neverwinter stamme und dort als Kundschafter mit einer Abenteurergruppe unterwegs war. Sie kümmerten sich um die Sicherheit der Holzlieferungen aus dem Neverwinterwald. Allerdings lag das schon lange zurück. Nach einem Unfall in der Gruppe, über den er nicht sprechen wollte, trennten sich ihre Wege und er beschloss fernab ein Leben als Einsiedler zu führen.

Der Rest der Helden war misstrauisch gegenüber dem Eintopf und so wirkte Rikuhu einen Zauber, um Gifte und Krankheiten zu entdecken. Zu ihrer Überraschung war der Eintopf ohne Tadel, allerdings strahlte der Zauber eine Aura der Krankheit von Yurk aus. Er lag unter dem Bann von Lykanthropie. Sie erzählte ihren Gefährten vorerst nichts davon.

In der Nacht, die sie in der warmen Hütte verbrachten, geschah etwas seltsames und Norixius wurde Zeuge davon. Yurk stahl sich über Nacht aus der Hütte in die Dunkelheit hinaus und Norixius schaute ihm durch die Fenster hinterher. Durch den Schneesturm sah er, wie sich Yurk in einen Werbären verwandelte und sich davon machte. Nach einigen Stunden kam Yurk kurz vor Tagesanbruch als Halbork zurück, Norixius gab vor zu schlafen.

°14. Mirtul°

Niemand sprach über Yurks Geheimnis und sie mussten feststellen, dass sie ihm vorerst nicht helfen konnten. Schweigsam führte Yurk sie am Morgen zur Eisspitze hinauf, dem höchsten Gipfel der Schwertberge. Dort stand ein vereister Obelisk mit zwergischen Runen darauf: „Halte inne, mutiger Wanderer. Der Welt so fern und den Göttern so nah. Der Grat des Berges. Die Eisspitze.“Sie verabschiedeten sich von Yurk und dankten ihm für seine Gastfreundschaft, während er ihnen viel Glück bei dem Drachen wünschte.

Über zwei Stunden gingen sie weiter und kämpften sich durch die starken Stürme. Durch den fallenden Schnee erkannten sie einen großen Schatten, der sich als eingefrorener Oger entpuppte. Anscheinend hatte ihn der Drache mit seinem eisigen Atem erwischt. Weiter durch den Schnee stapfend, erreichten sie schließlich die Zwergenfestung. Das Gemäuer thronte auf zwei großen Felsen, die durch eine steinerne Brücke verbunden waren. Ein Pfad schlängelte sich zum kleineren Teil der Festung auf dem ersten Hang. Dort lag das Torhaus.

Sie traten durch das schwere Eichentor und fanden sich in der Eingangshalle wieder, wo auch einige verlassene Ställe zu finden waren. Sie beschlossen ihre Erschöpfung zu lindern und eine kurze Rast bei den Ställen einzulegen. Als sie ihr Lager aufbauen wollten, hörten Rikuhu und Norixius Stimmen, die durch die Gänge hallten. Den Geräuschen nachschleichend, entdeckten sie ein Lager von fahlen, weißhäutigen Zwergen in schweren Rüstungen. Sie waren nicht allein, Duergar waren in der Festung.

Die Helden beschlossen die durch und durch bösen Duergar zu überfallen und das Lager zu übernehmen. Die Duergar konnten sich auf magische Weise vergrößern und es entstand ein schwerer Kampf, den sie schließlich gewannen. In den Taschen des Anführers fanden sie einen magischen Edelstein. Nach genaueren Untersuchungen, entpuppte er sich als Fokus für ein planares Portal zum Underdark, wodurch die Duergar wahrscheinlich hierher gelangt waren. Was sie dabei für Absichten hatten, blieb den Helden leider unbekannt. Uthal zerstörte den Fokus mit einem donnernden Schlag seiner Axt, wodurch sich das Portal für einen kurzen Augenblick vor ihnen manifestierte, Uthal hineinzog und dann wider ausspuckte. Alle waren froh, dass nichts weiter passiert war. Bevor sie die Festung weiter erkunden wollten, beschlossen sie, hier eine lange Rast einzulegen.