Dungeons and Dragons & Das Schwarze Auge in Ulm
 
[27.11.19] Session 1 – Das Vermächtnis der Schwertküste

[27.11.19] Session 1 – Das Vermächtnis der Schwertküste

1. Ches 1491 TZ (Die Klaue der Sonnenuntergänge)

Alles in dieser Welt hatte ein Ende. Doch in dieser Geschichte sollte dies den Anbeginn einer heroischen Reise für vier wagemutige Abentuerer bedeuten. Es begann in dem unbekannten Jenseits, welches von jeder Seele nach dem Tod besucht werden würde, um sich Kelemvors Rad zu stellen und ein neues Leben zu beginnen. So fand sich auch die Gruppe in einem Meer aus Sternen wieder, an der kristallenen Pforte des Bleichen Ritters. Der Verwalter von Kelemvor, dem Gott des Todes, der Türen und der Reinkarnation, erwartete die Gruppe schon sehnsüchtig, da sie nicht ohne Grund hieher beordert wurden.

In der Audienz zwischen zahllosen Büchern und Pergamenten, erfuhren die Abenteuer von dem Bleichen Ritter, dass die untergegangene Gottheit Wynareth im Begriff ist, ihre einstige Daseinsberechtigung im Patnheon der Götter zurückzuerobern. Einst wurde Wynareth wegen ihrer Gräueltaten und herrscherischen Methoden verbannt, sodass wieder Gleichgewicht unter den Göttern herrschen konnte. Etwas Profanes auf der Welt von Faerun aber ist im Inbegriff ihr Vermächtnis wiederzubeleben, außerhalb der Reichweite der Götter, so erzählte der Bleiche Ritter in goldener Plattenrüstung. Nur die vier Abenteuer wurden dazu bestimmt, diesen Machenschaften Einhalt zu gebieten. Warum gerade sie, sollten sie aber noch früh genug alleine erfahren. Mit der Abmachung, ihr altes Leben wiederaufnehmen zu können und der Gottheit nachzugehen, entsandte der Bleiche Ritter die Gruppe zurück in die Nationen der Schwertküste. Dort verspürten die Götter die Anwesenheit von Wynareth am stärksten, auch wenn es bis jetzt nur ein kleiner Funke war.

Die Helden erwachten schmerzerfüllt an einem regnerischen Tag auf dem Dreieber-Pfad, einer oft befahrenen Handelsstraße. Um sie herum waren Güter verteilt und geplündert worden, während der Handelskarren ebenfalls leer auf der schlammigen Straße stand. Vier Goblins waren gerade dabei das Schlachtfeld zu fleddern, als es zu einem wilden Kampf kam, noch bevor die Abenteurer wussten, was vor sich ging. Nach schnellen Schwertschlägen, lautlosen Pfeilen und gnadenlosen Zaubersprüchen, konnten die Plünderer allerdings erledigt werden.

In der Verschnaufpause nach dem Kampf, musste die Gruppe erst wieder zu klarem Verstand kommen. Die Abenteurer hatten große Teile ihres Gedächtnisses verloren und konnten sich an nichts von ihrem bisherigen Leben erinnern. Sie kamen zum Schluss, dass die Güter ihnen gehört haben mussten und sie überfallen und getötet wurden. Eines hatten sie aber gemeinsam: Alle konnten sich an die Vision im Jenseits erinnern.

Schnell konnte die Ursache des Übels ausgemacht werden. Ein Goblinpfad mit vielen Fußspuren verlief von dem Ort des Überfalls nach Nordwesten. Die Gruppe beschloss die Waren hier zu verstecken und folgte der Spur. Nach zwei umgangenen Fallen auf dem Weg, kamen sie schließlich nach einer Stunde am Eingang einer Höhle an. Die natürliche Höhle mit Bachlauf entpuppte sich als Goblinhort und die Gruppe beschloss, dass es das beste wäre, dem Treiben ein Ende zu setzen. So traten die Helden in das Dunkel des stinkenden Untergrunds, gespannt darauf, was sie erwarten würde.

Die Dunkelheit hatte nun schon viel zu lange regiert. Es war an der Zeit wieder zu erwachen.


Grelles Licht scheint durch eure noch geschlossenen Augenlieder und ihr versucht sie langsam gegen den Schmerz zu öffnen. Leuchtende Sterne funkeln hell in einem unendlichen Meer aus purpurnen Farben am Himmel und der Boden unter euch scheint sich zu bewegen. Als ihr euch ein wenig umseht erkennt ihr eine gewaltige Brücke aus schwebenden Steinplatten, welche sich vor euch über einem endlosen Abgrund erstreckt. Ein Blick nach unten lässt noch weitere unzählige Sterne zum Vorschein bringen, sodass eure Sinne getrübt und euer Gleichgewichtssinn gestört werden. Euch wird leicht schwindlig, als ihr bemerkt, wie leichtfüßig ihr auf den Beinen steht. Euer Selbst besteht aus nichts als Schatten, getaucht in die Farben eines Nachthimmels.

Am anderen Ende der Brücke angekommen erwartet euch eine kleine, buckelige Gestalt in eine zu lange Robe gehüllt. Der Kobold fährt mit seinem knochigen Finger sorgfältig über die Zeilen seines alten ledergebundenen Buches. Hinter ihm erstreckt sich ein gewaltiges Tor aus purem Kristall, welches durch das Licht der Sterne abwechselnd in grünen und blauen Farbtönen glitzert. Es dauert einen kurzen Moment, bis euch der Kobold unter seiner zu großen Kapuze bemerkt und das Buch mit einer Hand zuschlägt.

„Ahh die Wächter sind eingetroffen. Ihr werdet schon sehnsüchtig erwartet, jaja …“ Der Kobold dreht sich um und läuft auf die Kristallpforte zu, während er einen gewaltigen Schlüssel aus seiner viel zu kleinen Tasche zieht. Mit einem donnernden Grollen öffnet sich die Pforte langsam und die Flügeltüren schieben sich über die Steinplatten nach innen. Der Kobold tritt zur Seite und macht eine ausladende Bewegung einzutreten.

Hinter der Pforte erleuchtet der Sternenhimmel einen gewaltigen, massiven Schreibtisch aus Holz. Zwischen Bücherstapeln und Ordnern türmen sich Pergamente, Stempel und Federkiele auf dem Tisch und streiten sich um ihren rechtmäßigen Platz. Dahinter sitzt eine Gestalt in strahlend goldener Plattenrüstung. Das Visier des Helmes ist nach oben geklappt und unter der Haube schaut euch ein blasses Gesicht mit weißen Augen an. Obwohl der Bleiche Ritter keine Pupillen besitzt, spürt ihr wie seine Augen euch fixieren. Er legt eine Feder behutsam zur Seite und hebt einen Panzerhandschuh zum Gruße. „Es gibt viel zu besprechen, nehmt Platz.“ Er deutet auf vier aufwendig gefertigte Stühle vor sich.

„Also, kommen wir zur Sache, ich habe heute noch einige Audienzen vor mir.“

„Ihr seid nicht ohne Grund zu diesem Zeitpunkt ins Rad geschickt worden. Die Götter haben euch ersehnt und verlangen eure Dienste, im Gegenzug dafür bieten sie euch eurer damaliges Dasein an. Ohne eure Essenz in einen neuen Wirt zu zwängen versteht sich. Eine solche Ehre wurde noch keinen Sterblichen zu Teil. Wenn ihr mich fragt, könnt ihr schon froh sein, nicht verloren in der Zwischenwelt zu wandern, in der Hoffnung darauf eure Erlösung schicke euch am Wendepunkt der Zeit ins Jenseits. Aber genug davon.“

„In ihren Reihen breitet sich eine Macht aus, die eurer Welt geschuldet ist. Etwas böses brütet in den Vergessenen Reichen und es liegt außerhalb der Reichweite der Götter. Die einstige Stärke der Göttin Wynareth droht wieder zurück zu kehren und schon jetzt spüren wir ihre Anwesenheit, auch wenn sie noch so gering ist. Es ist höchste Zeit etwas zu unternehmen, um das Gleichgewicht des Pantheons aufrecht zu erhalten. Diese Aufgabe gebührt alleine euch, denn allein ihr vermögt es dem weltlichen Geschehen ein Ende zu setzen.“

Der Bleiche Ritter lehnt sich zurück und macht eine kurze Pause.

„Folgt dem Pfad der Seelen und ihr werdet auf dem richtigen Weg wandern. Ihr seid die einzigen… Wächter… seht die Essenz als euer Werkzeug.“

Der Bleiche Ritter starrt zwischen euch hindurch in die Leere und seine weißen Augen schließen sich langsam. Ein kühle Briese weht durch euch hindurch, und dann wieder Dunkelheit.

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