Der 21. Thunsheer begann in trügerischer Ruhe.
In Caeliths Hütte suchten die Hupperdudes Erholung, doch der Beacon ließ ihnen keine wirkliche Pause. Als Mouq das Artefakt aus seinem Beutel zog, spannte sich die Luft augenblicklich auf, als würde ein unsichtbares Gewitter durch den Raum ziehen. Ein feines Knistern lag auf ihrer Haut und das Besteck auf dem Tisch fing an der Schwerkraft trotzend zu schweben. Ylva kam näher, suchend, hoffend. Für einen flüchtigen Moment öffnete sich ihr etwas, eine rohe, kaum greifbare Macht. Es fühlte sich an, als könnte sie die Welt selbst verschieben. Doch ehe sie es begreifen konnte, war es wieder fort.
Die Untersuchung wich schließlich pragmatischen Dingen. Beute wurde verteilt. Chook fand rasch Gefallen an seinem neuen Hut und verwandelte ihn mit einem Gedanken in einen übertrieben großen Cowboyhut, sehr zu Lausfilz’ stiller Verwirrung.
Mouq hingegen zog es fort – hinaus zu den heißen Quellen. Dort traf er erneut auf Vizora. Zwischen dampfender Hitze und flimmernder Luft tauschten sie Wissen aus. Vizoras Interesse am Beacon war unverkennbar, ehrgeizig, beinahe hungrig. Doch Mouqs Aufmerksamkeit galt längst nicht mehr nur ihren Fragen. Die Distanz zwischen ihnen schmolz, bis schließlich keine Worte mehr nötig waren und das Gespräch in ein leises, blubbern unterhalb der Wasseroberfläche überging.
Währenddessen saß Ylva am Grab. Nira schmiegte sich an sie, als sie den Ring überstreifte, Alices Ring. Dann kam die leise, vetraute Stimme. Alice. Ihre Seele war nicht fort, sondern im Ring gebunden, gefangen im Moment ihres Todes. Erschüttert und zugleich von Hoffnung erfüllt, eilte Ylva zurück zu den anderen.
Mouq war inzwischen wieder bei ihnen, sein Geist geschärft durch das Diadem, welches er genauer untersucht hatte und vertieft in das Buch Dunamis Potential und Möglichkeit. Was er darin las, veränderte seinen Blick auf die Magie selbst. Dunemantie war keine Schule. Sie war der Ursprung, das rohe Potenzial, aus dem jede Form von Magie erst
entstand. Und die Folianten des Grimoire Infinitus beschrieben Wege, diese Kraft zu lenken.
Als Ylva von Alice berichtete, traf ihn die nächste Erkenntnis hart. Eine gebundene Seele durfte nicht einfach begraben werden. Und irgendwo mochte die Raven Queen dieses Ungleichgewicht bereits bemerkt haben. Die Hupperdudes informierten Caelith, die auch um ihren Hain zu schützen, Alice Körper vor dem Zerfall schützen wollte. Doch jedes geweihte Wasser verdampfte, bevor es wirken konnte. Die Ursache war eindeutig. Ylvas Speer Ruin’s Wake.
Mouq handelte instinktiv. Ylva sank in magischen Schlaf, und vorsichtig begann er, die Verbindung zu lösen. Einen Moment lang schien es zu gelingen. Dann zerriss etwas die Realität. Aus dem Speer brach eine gewaltige, verzerrte Gestalt hervor, der Dämon Yarrowish. Sein Brüllen ließ den Hain erzittern, und aus einem Ort des Lebens wurde ein Schlachtfeld.
Die Hupperdudes kämpften verzweifelt. Klauen schlugen, unsichtbare Kräfte trafen wie Hämmer, Wurzeln rissen aus dem Boden, während Caelith verzweifelt versuchte, ihren Hain zu verteidigen. Doch sie wurden zurückgedrängt. Bis Chook sprang. Im entscheidenden Moment erreichte er den Speer und zwang die tobende Essenz des Dämons zurück in ihr Gefängnis. Doch der Hain war gebrochen.
Caelith sank am Fuß ihres Baumes nieder, während nur noch ein schwacher Rest seiner alten Kraft spürbar war. Mouq trat erschöpft an ihre Seite und half, das Wenige zu bewahren, das noch übrig war. Und in dieser Stille wurde eines unausweichlich klar: Der Druidenhain war dem Fluch von Molaesmyr nicht mehr gewachsen. Und die Hupperdudes würden den Fluch brechen müssen. Um jeden Preis.

