Ein ohrenbetäubender Knall erschütterte den steinernen Keller, als die Magie des Beacon ausbrach. Das Artefakt, das über dem leblosen Körper von Thrandar schwebte, entlud eine Welle uralter Macht. Die Druckwelle riss jeden von den Füßen und für einen Herzschlag schien selbst der Staub in der Luft vor Schreck stillzustehen.
Zu Boden geschleudert wurden die Hupperdudes, ebenso wie zwei Mitglieder der Moonstalkers: ihr barbarischer Anführer und ihr Magier. Auch Kaelen, der Firbolg-Verräter, und der Dunkelelf, der soeben durch ein Portal erschienen war, lagen am Boden.
Der Dunkelelf – Essek Thelyss – hatte soeben etwas getan, das niemand von ihnen vollständig begriff. In einem verzweifelten Akt hatte er die entwundene Seele Thrandars in den Beacon geleitet. Nun starrte er das schwebende Artefakt an, als hinge sein eigenes Schicksal daran.
Aus dem Beacon sprangen zwei Schatten hervor – Flackernde, unruhige Gestalten, geboren aus uralter Magie. Und mit ihrer Erscheinung kam eine Erkenntnis. Die Moonstalkers – und indirekt auch der Dunkelelf – waren Teil der Ereignisse gewesen, die Thrandars Tod verursacht hatten.
Der Kampf begann.
Ylva nahm davon kaum etwas wahr. Die Firbolg-Barbarin hatte nur Augen für zwei Dinge: den Beacon und den Dunkelelf. Ohne zu zögern riss sie das Artefakt aus seiner schwebenden Position. Mit roher Kraft packte sie die glatte, fremdartige Oberfläche und stürmte direkt auf Essek zu. Sie brauchte Antworten. Was war mit der Seele ihres Bruders geschehen? Wohin war sie verschwunden?
Mouq lenkte geschickt eines der Schattenwesen – nicht gegen seine Freunde, sondern gegen Kaelen. Die Kreatur stürzte sich wie ein hungriger Albtraum auf den Verräter.
Binnen Augenblicken sah sich Kaelen zwei dieser Wesen gegenüber. Dunkle Klauen rissen an ihm, während er verzweifelt versuchte, sich zu verteidigen. Sein Tod schien nur noch Sekunden entfernt.
Währenddessen griff Chook an. Er kämpfte Seite an Seite mit seinem treuen Wolf Lausfilz. Gemeinsam stürzten sie sich auf den Anführer der Moonstalkers. Doch der Mann war kein gewöhnlicher Krieger. Sein Körper begann zu krampfen. Knochen knackten, Haut spannte sich, Fell brach aus seinem Rücken hervor. Zähne verlängerten sich zu tödlichen Fängen und ein Werwolf stand vor ihnen. Mit brutaler Geschwindigkeit schlug er zu. Lausfilz wurde zurückgeworfen – und Chook wurde von den Fängen des Monsters erwischt. Der Biss traf tief, Schmerz schoss durch seinen Körper, und der Gnom brach zusammen.
Mouq sah es und in diesem Moment kehrte ein anderer Schmerz zurück. Noch vor wenigen Minuten war Alice gestorben. Die Elfenmagierin, die sie so lange begleitet hatte, lag tot im Obergeschoss. Ihr Verlust hing wie ein schwerer Nebel über Mouqs Gedanken und Panik überkam ihn.
Instinktiv zog er sich zurück, seine Hände zitterten, als er Magie formte. Aus der Luft entstand die Gestalt einer übernatürlichen Schönheit – eine Nymphe, gewebt aus schimmerndem Licht. Ihre Stimme war wie Honig und der Werwolf erstarrte für einen Moment, sein Zorn gebrochen von der betörenden Präsenz.
Die Ablenkung reichte. Mouq kniete sich neben seinen Bruder, zog hastig eine kleine Flasche hervor und zwang Chook den heilenden Trank zwischen die Lippen. Leben kehrte in Chook zurück, wenn auch schwach.
Währenddessen stand Ylva Essek gegenüber. Der Dunkelelf versuchte mehrfach, den Beacon mit Magie an sich zu ziehen. Unsichtbare Kräfte zerrten daran, doch Ylvas Griff war unerbittlich. Ihre Hände blieben wie Eisenklammern um das Artefakt geschlossen.
Schließlich blieb Essek keine Wahl. Mitten im Chaos überzeugten Mouq und Ylva ihn, sich ihnen im Kampf anzuschließen. Gemeinsam richteten sie ihre Kräfte gegen den Werwolf und den Magier der Moonstalkers. Magie und Stahl trafen beide gleichzeitig und sie brachen nach langem Kampf schwer blutend zusammen.
Kaelen, von den Schattenwesen zerrissen und schwer verletzt, versuchte noch zu fliehen, doch er kam nicht weit. Kurz vor seiner Flucht verlor er das Bewusstsein.
Der Kampf endete.
Stille kehrte in den Keller zurück. Der Dunkelelf trat vor und stellte sich schließlich vor. Er war Essek Thelyss, ein Mitglied eines der führenden Häuser der Kryn Dynasty. Der Beacon, erklärte er, gehöre seinem Volk.
Zwei der Luxon-Artefakte seien vor nicht allzu langer Zeit von der Cerberus Assembly gestohlen worden. Nur durch Rituale seines Volkes könnten Seelen hinein- oder herausgeleitet werden. Für die Kryn seien diese Artefakte heilig – sie ermöglichten den Kreislauf der Wiedergeburt, den sie Wiederaufnahme nannten.
Der Weltenbaum in Ylvas Dorf, sagte er schließlich, sei nicht von der Gnade der Wildmother genährt worden, sondern von der Macht des Beacon. Essek selbst hatte im Imperium Hilfe gesucht, um das Artefakt zurückzubringen. Diese Suche hatte ihn nach Shadycreek Run geführt, wo er in Kontakt mit den Mardoons gekommen war. Kaelen hatte den Rest ausgelöst. Er hatte einen Hehler in Hupperdook angeheuert. So entstand die Verbindung zu den Mardoons und sie waren es gewesen, die Ylvas Dorf ausgelöscht hatten, um den Beacon zu stehlen.
Kaelen bestätigte es, nachdem Essek ihn stabilisiert hatte. Mit brüchiger Stimme erklärte er, dass ihn seltsame Träume geplagt hätten – Erinnerungen, die sich nicht wie seine eigenen anfühlten.
Essek nickte. Diese Visionen nannte sein Volk Anamnese – Erinnerungen aus einem früheren Leben. Ylva hatte ähnliche Visionen gehabt – sich selbst als Dunkelelfin gesehen, auf der Flucht vor der Macht der Spinnenkönigin. Essek sagte ruhig, dass Ylva eine alte Seele sei. Eine Seele, die zur Kryn gehöre und dass es wichtig sei, dass sie mit ihm komme.
Die Worte trafen Ylva wie ein Schlag: Ihr Bruder war tot. Ihr Dorf ausgelöscht. Und alles wegen eines Fehlers Kaelens. In ihrer Hand vibrierte der Speer. Die dämonische Waffe flüsterte stillen Zorn in ihre Gedanken. Langsam hob sie ihn – Rache lag in der Luft.
Chook bemerkte den Wandel zuerst. Ohne zu zögern rief er Lausfilz und der Wolf sprang vor und biss Ylva in den Arm, der den Speer hielt. Der Schmerz durchbrach den Nebel und die Barbarin blinzelte, taumelte – und sank schließlich erschöpft zu Boden.
Danach war es Mouq, der sprach. Er hatte immer an das Imperium geglaubt. Doch nun stand er zwischen zwei Wahrheiten. Er wollte Beweise. Sie hatten zu viel verloren – sogar Alice, die fest an das Imperium geglaubt hatte. Nach langem Hin und Her willigte Essek schließlich ein. Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, gab er Ylva einen kleinen Stein – einen Sending Stone. Mit dem elbischen Wort ilemnos könne sie ihn kontaktieren. Wenn sie Beweise suchten, sollten sie einen Mann finden: Trent Ikithon. Der mächtigste Magier der Cerberus Assembly. Ein Mann, der die Beacons gestohlen habe, um ihre Macht zu missbrauchen. Außerdem könnten sie die neutrale Organisation Cobalt Soul aufsuchen.
Und noch etwas kam ans Licht. Trent suchte nach sieben Folianten des Grimoire Infinitus. Einen davon hatte wahrscheinlich Alice gesucht und war dafür verfolgt worden.
Als das Gespräch endete, sagte Ylva kalt, Essek solle Kaelen mitnehmen. Er habe sich bereits für eine Seite entschieden. Mouq zog dem Firbolg die 200 Gold Blutgeld über den Kopf. „Ich hoffe, das war es dir wert.“
Schweigend verließen die Hupperdudes den Keller. Hinter ihnen verschwanden Essek und Kaelen durch ein Portal – zurück in die Dynastie.
Doch eine Aufgabe blieb. Im Käfig lag noch ein Werwolf. Ein Versuch, den Fluch mit einer Schriftrolle zu brechen, scheiterte. Schließlich entschieden sich Chook und Mouq, das Leiden des Biestes zu beenden. Gemeinsam töteten sie ihn.
Währenddessen trug Ylva den Körper ihres Bruders nach oben. Behutsam legte sie ihn neben Alice – ihre geliebte Gefährtin. Mouq setzte sich zu der Elfin. Leise sprach er zu ihr. Dann begann er zu singen – ein trauriges Lied, das zwischen den Bäumen des Waldes verhallte.
Als sie schließlich aufbrachen, wusste Chook, dass man Tote nicht im verfluchten Teil des Savalirwood begraben sollte. Er kannte einen Ort, den Blooming Grove.
Alice wurde auf Lausfilz gelegt. Nira, ihr treuer Tressym, schmiegte sich still an ihren Körper. Ylva trug ihren Bruder auf dem Rücken. Schweigend machten sich die Hupperdudes auf den Weg. Als sie schließlich den Blooming Grove erreichten, bot sich ihnen ein Anblick wie aus einer anderen Welt.
Mitten im verfluchten Wald lag eine Lichtung voller Leben. In ihrer Mitte stand ein gewaltiger Baum, dessen Äste vor Energie pulsierten. Die Luft war erfüllt von uralter, heiliger Kraft. Ein Gefühl, das Ylva aus ihrer alten Heimat kannte. Die Zäune des Friedhofs hielten den Fluch des Waldes fern. Hier herrschte Ruhe, hier würden sie ihre liebsten zur letzten Ruhe setzen können.
Und dort, vor dem Baum, kniete eine Gestalt. Ein Satyr.
Sie sprach ein Gebet zur Melora, der Wildmother, während ein kleiner Fuchs auf ihrer Schulter saß. Langsam erhob sich die mystische Gestalt. Sie drehte sich zu den erschöpften Reisenden um. Dann lächelte sie sanft.
„Wilde Tochter des Baumes, ich habe dich erwartet.“

