Session 6 – Der alte Tempel

Umgeben von Streckbänken, heißen Essen und grausamen Metallwerkzeugen war die Gruppe zumindest für einen Moment allein. Jedoch hallte durch einen großen Torbogen aufgeregtes Gekreische von Goblins zu ihnen hindurch, was ihnen gebot, vorsichtig zu sein. Unter das unverständliche Echo der Worte mischte sich auch eine weibliche Stimme, die ruhiger und gebieterischer klang.

Casimir schlich sich heimlich vor, um die Lage zu sondieren. Er fand in der Tat fünf Goblins, die in der Mitte einer riesigen Halle um einen großen Kessel voller heißem Teer hüpften, den eine Schamanin bewachte. Außerdem befanden sich zwei Menschen und ein Halbling im hinteren Teil der Halle in einem behelfsmäßigen Lager, die wohl ebenfalls Anhänger des Kultes von Bane waren.

In zwei kleineren Nischen der Halle fand er drei Warge, die in einem viel zu kleinen Gatter um ihr Futter rangen, sowie einen toten Goblin, der vor einer geschändeten Statue von Selune lag. Ein kurzes Abtasten von Letzterem förderte einen filigranen kleinen Schlüssel zu Tage, dessen Schloss aber nicht zu sehen war.

Nachdem Casimir zur Gruppe zurückgekehrt war, beschloss diese, Sir Toby und Casimir loszuschicken, da Schleichen keine Stärke von Rhialla und Zarissa war. Sie färbten sich die Unterarme mit heißem Teer schwarz – Casimir unter gehörigen Schmerzen – und schlichen in die große Halle hinein.

Die Goblins waren ihrerseits abgelenkt, da einer der fünf Goblins gerade seine eigene Taufe erhielt. Schmerzensschreie hallten an den Wänden wieder, die kurz später in Gejohle und Gelächter übergingen, und die beiden konnten sich heimlich zu einem Durchbruch in der Wand schleichen. Er führte zu einem tiefen Abgrund im Boden, der sich wie ein Riss durch den Berg zog und nur über Holzplanken ohne Geländer passierbar war.

Sie tappten still durch die Dunkelheit, bis sich ein weiterer Durchgang auftat. Modrige Luft strömte ihnen entgegen, die sich in der kalten Kluft des Berges verlor. Der Raum, dessen Wand hier ebenfalls zu dem Riss durchgebrochen worden war, war eine alte Bibliothek des Tempels, in dem nun zwei Hobgoblins eine Geisel bewachten.

Mit geschickten Worten konnte Casimir nicht nur Sir Toby als seinen vermeintlichen Sohn bei den Hobgoblins – und damit der Geisel – lassen, sondern sich auch ungeschoren wieder entfernen, um den Rest der Gruppe dazu zu holen. Während Sir Toby munter mit den Hobgoblins würfelte, konnten sich die anderen drei unbemerkt durch die große Halle und die dunkle Kluft schleichen.

Rhialla schoss einem der Hobgoblins einen Schlaftrank aus der Hand, mit dem dieser gerade Florick ruhigstellen wollte, und der Kampf brach aus. Mit der Initiative auf ihrer Seite konnte die Gruppe die Hobgoblins schnell ausschalten, jedoch blieb dieser Überfall nicht unbemerkt. Fahlblaues Licht erschien aus dem vormals dunklen Durchgang zu einem angrenzenden Raum, magische Inkantationen wurden laut, und kreischende Goblins stürmten von dort aus direkt auf die Gruppe zu.

Zarissa stürmte schließlich Kopf-voraus zu Vorgul hindurch, der sich hinter seinen Goblins verschanzt hatte, und rückte diesem direkt ans Leder. Casimir erledigte präzise und methodisch einen Goblin nach dem anderen, unterstützt von Rhialla, die aber außerdem dafür sorgte, dass Sir Toby den Kampf nach zwei schweren Treffer überhaupt noch fortsetzen konnte.

Als Vorgul schließlich von Zarissa erschlagen war, zerfielen sich auch die aufgespießten Schädel in seinem Ritualkreis zu Knochen und verwestem Fleisch. Eine kurzes Durchsuchen von Vorguls Leichnam sowie seines Rastplatzes förderten neben einigen direkt nützlichen Gegenständen einen Brief zu Tage, der von A.V. signiert war.

Rhialla kümmerte sich um Florick, die nur langsam zu sich kam und verständlicherweise ziemlich benommen war. Ihre Ketten waren rasch entfernt, und mit ihr im Schlepptau blieb nun nur noch die – idealerweise unbemerkte – Flucht aus dem alten Tempel.

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