Am 6. Blattfall bereitete sich Waukeens Rest auf einen Ansturm vor. Die Hellriders unter Zevlor und die Flaming Fist unter Gimurd arbeiteten Hand in Hand, Wege mit Wägen zu blockieren, das Tor zu verbarrikadieren, und eine Fallgrube vor der Mauer auszuheben. Auch die Flüchtlinge und Kinder halfen mit, alle im Wissen, dass es um Leben und Tod ging.
Die Kampffähigen positionierten sich auf der Mauer, der Rest versteckte sich in der Taverne, die am weitesten von der Mauer zurück lag. Mit grimmiger Stimmung warteten sie stumm, bis die Nacht anbrach. Der erste Schrei echote aus dem Wald, weit entfernt, und sie wussten, dass der Kampf bevorstand. Die Schreie wurden lauter, bis Gestalten, Fackellicht und Kriegstrommeln zwischen den Bäumen erschienen.
Wie es schien, hatte sich die gesamte Meute von Moonhaven auf den Weg begeben. Oger, Goblins, Hobgoblins, Warge, und Bugbears erschienen mit höhnischem Gejohle, sicher darin, den verschanzten Menschen haushoch überlegen zu sein. Da es keine Fluchtmöglichkeit gab, stand außer Frage, dass die Verteidiger um Leben und Tod kämpfen müssten.
Der Ansturm begann mit einem Hobgoblin, der mit gezündetem Dynamit auf seinem Rücken auf das Tor zu rannte. Er konnte gestoppt und die Lunte gelöscht werden, doch dies kaufte den Verteidigern nur Sekunden. Goblins mit Leitern rannten zur Mauer, Oger stürmten mit Rammböcken vor, und Pfeile schossen durch die Nacht. Brennende Pfeile trafen das Dach der Schmiede, das sogleich zu qualmen und kurz später zu brennen begann. Innerhalb von Sekunden war der Schein der Flammen die hellste Lichtquelle auf dem gesamten Hof.
Rhialla hatte alle Hände voll zu tun. Arron war der Erste, der von einem Pfeil getroffen wurden und zusammenbrach. Ihm folgten die Mitglieder der Flaming Fist, und danach auch der Hellriders. Zu viele Menschen gingen um sie zu Boden, als dass sie allen helfen konnte; jedoch rette sie verbissen einen Kämpfer nach dem anderen, so gut sie konnte.
Casimir wurde von einem Speer durchbohrt, den ein Oger mit einer handgeführten Balliste abgeschossen hatte. Zwar nicht sofort tot, schaffte er es aber nur mit Mühe von der Mauer herunter, wo er direkt in den Nahkampf mit den Hobgoblins verwickelt wurde, die die seitliche Barrikade durchbrochen hatten. Allerdings konnte er einen der Warge in den Schlaf schicken, was Zarissa vermutlich das Leben rettete.
Sir Toby hatte sich außerhalb der Mauer regungslos in einer Hecke versteckt, mit dem Plan, von hinten zu attackieren. Er schoss zur Schamanin vor, die mit ihrem Mächtigen Booyag von hinten ihre Truppen unterstützte, und attackierte sie. Sie stellte sich als hartnäckige Gegnerin heraus, die den Kampf mit fiesen Tricks führte und Sir Toby viel zu lange beschäftigte.
Zarissa wählte den direktesten Weg und sprang kurzerhand von der Mauer nach unten in den Nahkampf. Umgeben von allen Seiten, schlug und steckte sie wie wild ein. Krumak, der Beastmaster, der die Warge auf sie gehetzt hatte, war erzürnt und verwirrt über die unverkenntliche Macht von Bane, die von ihr ausging. Er konnte sie zwar zu Boden ringen und ihr ihr Amulet abnehmen, tötete sie allerdings nicht sofort, sondern sprang auf seinen Warg und hetzte in Richtung des Innenhofes, in dem ein erbittertes Scharmützel ausgebrochen war. Jedoch schaffte er die enge Kurve um die Fallgrube herum nicht und stürzte mitsamt seines Warges hinein.
Zevlor hatte den Durchbruch der beiden Oger durch das Haupttor nicht überlebt, und auch Brannon und Adrian starben wenig später. Als die Oger sich in Richtung der Taverne begaben, sprengte Rurik mit seinen Bomben vom Fenster aus die Goblins in Stücke, und Sir Toby rannte panisch quer über das Schlachtfeld. Zusammen mit Cazimir und Rhialla kämpften sie gegen die Oger, während Zarissa draußen eine neue Kraft schöpfte, aufstand, den Speer aus ihrem Körper hinauszog und einem Oger hinterherschleuderte. Sie sprach finstere Worte, und eiserne Ketten legten sich um die Hälser der Gegner, die sofort wieder auf sie zurannten.
Langsam wendete sich das Blatt. Unermüdlich von Rhialla am Leben gehalten, konnten die Verteidiger nach und nach die Gegner ausschalten. Als die Oger fielen, kippte die Stimmung der Gegner, und der erste Goblin floh auf einem Warg in den Wald. Cazimir teilte Schaden aus und Sir Toby fing einen Schlag nach dem anderen mit einem Körper ab, der offensichtlich nicht aus Holz bestand.
Vor dem Tor schien es so, als wäre Zarissa unverwundbar. Unter dem Rhialla’s Segen und Zarissa’s Fluch prallten Pfeile, Schwerter und Krallen von ihr ab, während sie hackte und wütete. Der Beastmaster war ihrem Zorn nicht gewachsen, kämpfte aber entschlossen bis zum Tod. Zarissa fällte ihn als letzten und holte sich mit blutenden Händen ihr Amulett von seinem Leichnam zurück.
Erschöpft und gebeutelt sammelten sich die Überlebenden. Es gab zu viele Tote zu beklagen, als dass sie hätten feiern können. Die verbliebenden Hellriders begruben die Leichen noch in derselben Nacht außerhalb des Hofes unter den Bäumen. Rhialla nahm Zevlor’s Amulett an sich, in dem ein Bild von dessen Kindern war.
Sir Toby sah nach den Kindern und spendete Mut, doch als Dara ihn umarmen wollte, verbrannte sie sich an seinem heißgelaufenen Körper. Davon merklich betroffen, zog er sich zurück ins Zimmer von Merida, wo er sich auf eine Kommode setzte und schniefend abkühlte.
Cazimir wurde von Gannon abgepasst, der das Schloss vom Buch aufbekommen hatte, das Cazimir im Tempel gefunden hatte. Es war ‘Arkemyr’s Arkaner Almanach’, der beschrieb, wie sämtliche Sprachen und Texte entschlüsselt werden konnten.
Am nächsten Morgen gebar Merida ein gesundes Mädchen, dass sie Julia taufte, und Erleichterung machte sich in der Taverne breit. Es gab vieles zu besprechen und zu tun, da Tana endlich einsah, dass der Hof wohl nicht zu halten war – zumal die Handelsstraße nach Elturel im Moment hinfällig war.
Durch den Kampf noch fester zusammengeschmiedet, war es an der Zeit, dass die vier Helden der Nacht sich zusammensetzten. Cazimir offenbarte die Quelle seiner Kräfte: Er war einen Pakt mit Bel eingegangen, der rechten Hand von Zariel, da er von fürchterlichen Träumen heimgesucht worden war. Statt sie loszuwerden, hatte er aber nur die Möglichkeit bekommen, sie abzugeben. Da die Betroffenen den Tag danach meist schlecht gelaunt waren, bot Sir Toby sich als Ziel an, da er weder schlief noch träumte.

