Session 35 – Beichte und Erlösung

Die Garnison der Hooded Lanterns war an jenem Tag von einer Schwere erfüllt, die selbst die erfahrensten Soldaten nicht zu verbergen vermochten. Der Tod innerhalb ihrer Mauern war nichts Ungewöhnliches, doch dieser Vorfall trug eine andere Qualität in sich, etwas, das sich nicht allein mit einem Kampf oder einem Unfall erklären ließ. Kaum war der Körper fortgeschafft worden, begannen die Untersuchungen, und die sonst so disziplinierte Ordnung der Garnison wurde von einem leisen, aber stetigen Murmeln durchzogen.

Thamanea blieb nicht lange in den Kerkern.

Nachdem Ansom das Gespräch mit ihr gesucht und ihr mit ruhiger, beinahe väterlicher Stimme angeboten hatte, dass sie sich ihm anvertrauen könne, dankte sie ihm knapp, ohne jedoch auf das Angebot einzugehen. Es lag nichts in ihr, das sie hätte teilen können, nichts, das sich in Worte hätte fassen lassen, ohne alles zu zerstören, was sie noch zusammenhielt. Stattdessen wandte sie sich ab und verließ die stickige Enge der unterirdischen Gänge, als würde allein die Luft dort sie erdrücken.

Draußen traf sie auf Crois.

Ohne viele Worte bedeutete sie ihm, ihr zu folgen, und führte ihn an einen abgelegenen Ort abseits der belebten Bereiche der Garnison, dorthin, wo weder neugierige Ohren noch zufällige Blicke sie erreichen konnten. Funkenflug, dessen Instinkt ihn selten täuschte, folgte ihnen in stillem Abstand.

Dort, fern von allem, was sie hätte beobachten können, begann Thamanea zu sprechen.

Ihre Worte waren ruhig, fast unnatürlich gefasst, doch gerade diese Kontrolle ließ das Gewicht dessen, was sie erzählte, umso schwerer erscheinen. Sie verschwieg nichts, weder ihre Entscheidung noch die Art, wie sie sie umgesetzt hatte, und als sie endete, lag zwischen ihnen eine Stille, die nicht gebrochen werden konnte, ohne dass etwas unwiederbringlich zerbrach.

Funkenflug war es, der diese Stille schließlich erfüllte, doch nicht mit Worten, sondern mit einem inneren Riss, der sich nicht mehr verbergen ließ. Sein Glaube, der ihn so lange getragen hatte, begann zu wanken, als er versuchte, das Gehörte mit dem in Einklang zu bringen, woran er geglaubt hatte. Das Schwert Ignazius reagierte auf diese Zerrissenheit, als wäre es selbst ein lebendiges Urteil, und als Funkenflug sich schließlich nicht von Thamanea abwandte, sondern sich bewusst für sie entschied, wies es ihn zurück.

Die Verbindung brach.

Mit einem spürbaren, fast physischen Stoß entzog sich das Schwert seinem Griff, und Funkenflug sank zu Boden, als hätte man ihm den Halt unter den Füßen genommen. Es war nicht nur ein Verlust einer Waffe, sondern der Zusammenbruch von etwas, das weit tiefer reichte, ein Bruch mit dem, was ihn bisher definiert hatte.

In diesem Moment stieß Noita zu ihnen.

Ihr Blick wanderte zwischen den dreien hin und her, während sie die Situation erfasste, und es dauerte nicht lange, bis auch sie in das Geheimnis eingeweiht war. Die Schwere der Wahrheit lag nun nicht mehr nur auf Thamaneas Schultern, sondern auf ihnen allen.

Doch es blieb keine Zeit, sich darin zu verlieren.

Das Schwert lag noch immer dort, und allen war bewusst, dass es nicht einfach zurückgelassen werden konnte. Noita erinnerte sich an eine Passage aus den „Legenden von St. Tarna“, an eine Zeit, in der selbst eine Heilige nicht den Weg gegangen war, den man später von ihr erwartete. Mit ruhiger Stimme zitierte sie die Worte, sprach von Zweifel, von Fehltritten und davon, dass selbst jene, die später verehrt wurden, ihren Weg erst finden mussten.

Es war kein Befehl, sondern eine Erinnerung.

Langsam, beinahe widerwillig, reagierte Ignazius auf diese Worte, und nach einem Moment, der sich endlos anfühlte, ließ es zu, dass Funkenflug es wieder aufnahm. Die Verbindung war nicht mehr dieselbe wie zuvor, doch sie war nicht vollständig verloren.

Die Tage, die folgten, vergingen unter einem stillschweigenden Einverständnis. Niemand sprach über das, was geschehen war, und obwohl die Untersuchungen innerhalb der Garnison weiterliefen, fiel kein Verdacht auf Thamanea. Das Schweigen der Gruppe war ebenso Teil dieses Ergebnisses wie das Chaos, das der Haze selbst stets mit sich brachte.

Am zehnten Mai wurde Benjen beigesetzt.

Der Scheiterhaufen wurde auf dem Gelände der Garnison errichtet, und die Flammen, die ihn verzehrten, stiegen ruhig in den Himmel auf, als wollten sie die Seele des Verstorbenen auf ihrem Weg begleiten. Thamanea stand dabei, reglos, ihr Blick auf das Feuer gerichtet, während die Vergangenheit in Form von Erinnerungen und unausgesprochenen Worten in ihr nachhallte.

Es war ein Abschied ohne Versöhnung.

Kurz darauf verließ die Gruppe die Garnison und machte sich erneut auf den Weg nach Emberwood Village. Hoid begleitete sie, doch die Veränderung in ihm war deutlich spürbar. Die Angst hatte sich in ihm festgesetzt, und obwohl er versuchte, sie zu verbergen, lag sie in jeder seiner Bewegungen.

In Emberwood angekommen, traf Thamanea eine weitere Entscheidung.

Sie ließ ihn gehen.

Mit einem Beutel Gold für eine Schiffsüberfahrt und wenigen, leisen Worten verabschiedete sie sich von ihrem jüngeren Bruder, wohl wissend, dass sie ihn damit sowohl schützte als auch verlor. Hoid verschwand schließlich in den Straßen des Dorfes, wurde Teil der Menge und war bald nicht mehr von den anderen zu unterscheiden.

Für einen Moment schien es, als hätte sich ein Kreis geschlossen.

Doch die Schuld blieb.

Die Gruppe kehrte noch einmal zum Hain von Morrigan zurück, wo Eoghan Ghostweaver bereits auf sie wartete. Ohne viele Worte begann er das Ritual, das den Seelenstein vollenden sollte. Das Blut eines einäugigen Raben wurde verwendet, um die Bindung zu versiegeln, und als der Stein damit getränkt wurde, veränderte sich seine Präsenz spürbar.

Die Verbindung war geschlossen.

Der Fluch, der an Thamanea gezehrt hatte, verschwand.

Was blieb, war nicht mehr das Gefühl des Entzugs, sondern eine Leere, die sich nicht so leicht benennen ließ.

Nach dieser Begegnung kehrte die Gruppe ein letztes Mal ins Red Lion Hotel zurück und verbrachte dort die Nacht, um sich von den Ereignissen zu erholen. Am folgenden Morgen, dem elften Mai, schloss Noita schließlich den Handel mit den Zwergen ab und erwarb die Delerium-Geode, die für die Herstellung der Hazewalker-Rüstung benötigt wurde.

Damit war ein weiteres Ziel erreicht.

Doch der Weg, der vor ihnen lag, war von Entscheidungen geprägt, deren Konsequenzen sich erst noch vollständig entfalten würden.

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