Dungeons and Dragons & Das Schwarze Auge in Ulm
 
(07.09.19) Jenseits des Spiegels – Session I

(07.09.19) Jenseits des Spiegels – Session I

Tagebucheintrag von Zerzio Fersengold

Die blauen Steine in Orkendorf waren schon hell am leuchten, als ich zum späten Abend mit prallem Mondglöckchenbeutel zur Mäuserennbahn ging. Naja, vielleicht ist das übertrieben, aber es sollten auf jeden Fall mehr Glöcken sein, wenn ich dieses Etablissement wieder verlasse. Jedenfalls kam es leider nie dazu und alles ging… ach, ich fange einfach von vorne an.

Also ich ging mit meinem besten Freund Koranor dem Rattenfänger und seiner Begleitung Calera Bernsteinblick zum Rennmaus-Schuppen. Leider habe ich durch meine, nunja unbezahlten Wettschulden, einen leicht schlechten Ruf beim Wettbüro und bin dort nicht so gerne gesehen. Koranor hat mir beim Eingang geholfen unbemerkt rein zu kommen. Ihr denkt wahrscheinlich durch seine schiere Muskelkraft, nunja woran denkt man bei ihm auch sonst. Immerhin hatte er mich fast verdroschen, als wir uns damals auf einem meiner… ehm… nennen wir es Streifzüge kennen gelernt haben. Aber ich schweife schon wieder ab. Jedenfall, waren die Wachen mit ihm beschäftigt, als ich lässig mein Halstuch und Kaputze überzug und schwupps, war ich auch schon im muffigen engen Katzengetümmel. Ich hab nicht gesehen, wie die anderen beiden rein sind, aber das konnten die schon selber regeln.

Jedenfalls war bei der Mäuserennbahn heute so viel los, dass mir das Wasser im Maul zusammen gelaufen ist, als ich all die vollen Mondglöckchenbeutel gesehen habe. Wie es Aphasma so wollte, schnitt ich natürlich dem falschen Kater die Börse auf und bekam direkt eine gewischt. Naja angenehm war die Situation nicht. Toller Deinsmeins gehört dem 3-Häuser-Rudel an und ist ein respektierter Kater unter den Banden. So wie es scheint machen sie immer noch gute Einnahmen durch ihren Kleiderhandel, den sie mit geklauten Waren von den menschlichen Puppenmachern der Puppenmacher-Gasse klauen. Zum Glück lief noch einmal alles gut und die Sache verleif sich selber in der Katzenmenge.

Bekannte Kater waren heute mit ihren besten Mäusen bei dem Veranstalter Reikan Schattenläufer zu Gast. Unter anderem sogar Graumähne und Rondon Klauentänzer. Natürlich lies ich das nicht auf mir ruhen und investierte meine Glöckchen direkt in die nächste laufende Wette. Der schmierige Kater am Wettbüro wollte mir einfach keine guten Tipps geben, deswegen setzte ich einfach die graue Maus von dem Teilnehmerneuling. 10 Glöckchen waren ein formidabler Einstieg in diese wunderbare Nacht.

Und wie ich mir so die Gäste unter die Lupe nehme, stuppst mich eine Pfote vorsichtig von hinten auf die Schulter. Der hagere, schüchterne Kater stellte sich mir als Aurel Dreibein vor. Und von diesem Katzenblick an, wendete sich das Blatt dieser Nacht. Es wurde interressant. Der olle Katerich faselte etwas von seiner Schatzkarte, die er von Aphasma weiß woher hatte. Anscheinend wurde sie ihm gestohlen, aber was solls, miauen kann man viel. Jedenfalls wollte er sie zurück haben, was ich ihm auch fix mit meinem Charme unter der Schnauze versprach. Während sich Aurel Soundso in die Ecke der Scheune hockte, schaute ich nach miner Abendbegleitung. Die anderen beiden waren ebenfalls sehr interessiert – ich versprach ihnen auch die Mondglöckchen vom Himmer, es war ja auch eine echte Schatzkarte – und so heckten wir einen Plan aus. Es gab nur ein Problem: Die Karte steckte unter dem Arm von Ronda Zehbiss, der Schwester von Toller Deinsmeins und Tochter von den 3-Häuser-Rudelfüherern Tara Spitzzahn und Horgrim Kistenspringer. Das hört sich verdammt kompliziert an… das war es auch. Autsch.

Sobald das nächste Mäuserennen auf der Rennbahn startete und die Menge sich wie um frische Fischsuppe an die Bande, Kater an Katze drückte, ging es für uns los. Calera schlug als erstes zu. Wie ihr reizvoller Name schon alles verrät, umschmeichelte sie den protzigen Toller mit ihrem Bernsteinblick. Der olle Kater war direkt hin und weg, umso besser. Die zwei Schwestern nahm sich unser Rattenjäger Koranor vor. Die Straßenkämpferinnen  Ronda Zehbiss und Andora Wellenklinge des Hauses waren von seiner Herausforderung zum Kampf sofort angetan. Er lud sie zur Bar ein und die drei Geschwister waren schon getrennt. Soweit so gutk, der Plan ging auf. Natürlich mischte ich mich in die schwitzige Menge und folgte ihnen unauffällig. Soweit ich es mitbekommen habe, hat unser Firunsbärchen den buschigen Schwanz eingezogen. Es sollte ein Duell werden auf der Puppenmacher-Gasse. Das Problem war nur, er sollte gegen beide gleichzeitig kämpfen. Die Sache hätte spannend werden können, denn als Gewinn baten sie ihm eine eigens angefertigte Rüstung vom Rudel. Der Preis für den Verlierer aber war zu hoch für Koranor: Er hätte sich dem Rudel verpflichten müssen. Dass er da einen Rückzieher macht, kann ich fast verstehen. Ich würde meine freien Dachtänzer-Einlagen auch nicht gegen ein reudigen Straßenkater-Leben unter der Knute vom Kistenspringer hergeben.

So wie ihr das vermutlich herauslesen könnt, waren die zwei Katzendamen in ein heißes Gespräch verwickelt und für einen Friemler erster Klasse wie mich, war es ein Katzensprung zur Schatzkarte. Den Eulenruf trillerte ich noch rasch durch die Scheune, sodass meine Diebeskollegen von dem feierlichen Erfolg erfuhren. So machten wir uns Rasch aus dem Staub, als wir auch schon von der nassen Straße draußen den Tumult um die Karte im Inneren hören konnten. Die Karte lag nun in mein… in unseren Pfoten.

Achja, fast hätte ich es vergessen: Nebenbei ging das Mäuserennen an mich und der ganze Pott landete ebenfalls in meiner Glöckchenbörse. Hatte schon lange nicht mehr so viel schleppen müssen, die 62 Glöckchen trugen sich immerhin nicht von alleine.

Da saßen wir nun also. Auf einem Fensterbrett im ersten Stockwerk zu der Taverne namens “Zum Goldenen Drachen”. Das Licht, welches durch das milchige Fensterglas in die Nacht hinaus schien, verhalf uns einigermaßen die Karte erblicken zu können. Wir wollten uns gerade dabrüber hermachen als die Holztüre unter uns schwungvoll aufsprang und wir uns erst einmal mucksmäuschenstill verhielten. Aphasma wüsste, was passieren würde, wenn uns echte Menschen in Kleidung sehen und uns reden hören würden. Die Gruppe aus seltsamen Zweibeinern – sogar welche mit spitzen Ohren – stritt sich um irgendetwas und verschwanden im Nebel der Gassen. Kurz ausgeatmet rollten wir die Schatzkarte erneut aus und sahen es: Ein Wollknäuel in allen erdenklichen Farben. Dazu komische Schriften und ein Menschenweibchen, die das Knäuel zu beobachten schient. Ein Wort war dick und rot eingekreist. Es gab keine Zweifel, das musste die Tochter von Aphasma und dem Wanderer sein. Nahema. Die Katze, die es vermag sich in einen Mensch zu verwandeln. Die Katze war aus dem Sack und wir konnten uns kaum auf den Pfoten halten. Wir waren an einer heißen Spur dran.

Zum Glück hatten Koranor und Calera mich dabei und ich wusste sofort zu wem wir gehen mussten: Die alte Katze Mohrle Zitterbart war ein wahrer Bücherwurm und hatte sich im Dachboden des Hesindetempels der Menschein Unterfluren eingenistet. Wenn jemand etwas über die Menschen studiert hatte, dann war sie es. Natürlich schlug ich den nächtlichen Weg über die nassen Dächer von Havena vor und die beiden folgten mir so gut es ging.

Auf dem Weg dorthin gab es einige Schwierigkeiten. Ein Schwarm Krähen hatte es auf uns abgesehen. Lästige Mistviecher sage ich euch. Koranor machte mit seinem Großschwert kurzen Prozess mit zwei von ihnen und den dritten überließ er mir. Ich sehe die Szene immer noch vor meinen inneren Katzenaugen. Den Bogen zog ich geschickt im Sprung, um über die glitschigen Dachziegel zur Dachrinne hinunter zu rutschen. Mit einer Pirouette drehte ich mich geschwind, als die Krähe mich hinterrücks erwischen wollte. Die Sehne wurde gespannt, das Surren war nur kurz zu hören und mein Pfeil durchbohrte das Mistviech gnadenlos. Um die Abenteuergeschichte für zukünftige Katzenohren auszuschmücken, stellte ich mich heldenhaft an die Spitze des Daches und blickte sehnsuchtsvoll in die Ferne. Der schwarze Retter der Nacht hatte die armen Kater Havenas erneut vor dem geflügelten Schrecken bewahrt… Doch genug von der Tagträumerei. Es ging weiter.

Wir klopften am runden Dachfenster von Mohrle Zitterbart an und nachdem sie wie immer fünf Bücherstapel auf dem Weg dorthin umstieß, machte sie uns auf. Natürlich unterrichteten wir Mohrle aufbrausend von unseren Erkenntnissen, doch sie schien ein wenig unbeeindruckt zu sein. Natürlich war es Nahema, wer sonst? Was also wollten wir von ihr? Nunja… das wussten wir selbst nicht so genau. Mohrle erzählte uns, dass Nahemas menschliche Residenz jenseits des Schwarzen Spiegels lag. Ihr Turm war vom Hafen aus zu sehen und lag ständig im verschleirnden Nebel. Aber natürlich! Wieso bin ich nicht selbst darauf gekommen! Der Schatz war dort versteckt. Der geheime Ort des Wollknäuels war enthüllt. Und dreimal dürft ihr raten: Es gab ein weiteres Problem. Wie kommen wir da ran? Nun, Mohrle wollte uns nicht mehr verraten, da allgemein bekannt war, dass sie alle Katzen vom Spiegel fernhalten sollen. Allerdings gab ich mich nicht so ganz damit zufrieden…

Nachdem wir uns von der Bücherkatze verabschiedet hatten, statte ich ihr erneut einen Besuch ab. Nein, natürlich klopfte ich nicht noch einmal an das Fenster. Um Aphasmas Willen, ihre armen Bücherstapel. Nein, ich kletterte durch den Kamin. Nun gut, ich wurde ein wenig schmutzig, aber das bin ich ja gewohnt. Jedenfalls schlich ich mit leisen Pfoten durch die Bücher hindurch und hielt Ausschau nach weiteren Hinweisen, als mir die hübsche Truhe auffiel. Sie viel meiner Nadel zum Opfer und ging ohne das leiseste Knacken auf. In ihr gab es allerlei Deinsmeins, wie es der olle Toller nennen würde. Aber es ging noch besser: Das Ding hatte einen doppelten Boden und darunter verbarg sich ein Notizbuch von Mohrle. Natürlich über Nahema selbst. Ich weiß. Volltreffer.

Mit allen Hinweisen und der Schatzkarte in den Pfoten ging es jetzt zum Mäusemarkt. Die letzte Anlaufstelle, um uns auszurüsten vor es auf große Seefahrt über den Schwarzen Spiegel ging. Wir drei teilten uns auf und jeder ging seinen Geschäften nach. Calera kümmerte sich um ein Kind, was seine Puppe suchte… Pff… Zeitverschwendung, wenn ihr mich fragt. Koranor handelte um die teuersten Rüstungen und sollte dafür die Schulden eines gewissen Arak eintreiben. Anscheinend soll er für den Gefallen seine olle Rüstung bekommen. Ha, wers glaubt wird menschlich…